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Unsere Erfahrungen:

Lesen Sie die spannenden Erfahrungsberichte von Michaela Elschner und Manuela Neuroth

Wie ist es, sich am Arbeitsplatz als Transident zu outen? Wie reagieren Kolleg*innen und Vorgesetzte? Michaela Elschner und Manuela Neuroth haben sich beide bei RWE als Transfrauen geouted und sind heute ganz selbstverständlich Kolleginnen in ihren jeweiligen Teams. Hier können Sie ihre Erfahrungsberichte lesen.


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Michaela Elschner

Ich habe bei der RWE Supply & Trading vor einigen Jahren „on the job“ den Wechsel vom Mann zur Frau vollzogen.

Wie bei vielen anderen war dieser Wechsel auch bei mir das Ergebnis einer jahrzehntelangen Geschichte von Verdrängungsversuchen. Mittlerweile ist es wissenschaftlich anerkannt, dass die geschlechtliche Identität – wie die sexuelle Orientierung – nicht änderbar ist und tief in uns verankert. Das lässt sich nicht dauerhaft verdrängen. Aber auch bei mir waren die Ängste vor negativen Konsequenzen gigantisch.

Erst eine private Krise führte dazu, dass ich diesen Verdrängungsmechanismus durchbrach: So ließ ich im Privatleben mehr und mehr von meiner weiblichen Identität zu. Im Beruf gab es schon mal Bemerkungen, weil ich mein Haar immer länger wachsen ließ. Einmal kommentierte ein Kollege Kajal-Reste um meine Augen humorvoll mit: „Am Wochenende wohl in einer Gothic-Disko gewesen?“ – der Spagat zwischen Privatleben und Beruf wurde immer größer.

Nach vielen schlaflosen Nächten entschloss ich mich, auch im Beruf als Frau zu leben. Zu meiner großen Erleichterung erlebte ich sehr viel Unterstützung und positive Reaktionen! Nach kurzer Zeit war ich selbstverständlich „die Kollegin“, die von allen mindestens genauso geschätzt wurde, wie „der Kollege“. In dieser auch privat nicht einfachen Zeit war die Arbeit sogar ein wichtiger Anker meiner psychische Stabilität.

Verdrängung und Verstecken kostet unglaublich viel Energie. Diese Energie kann ich nun im Beruf und im Privatleben viel besser einsetzen. Deswegen engagiere ich mich bei RWE im LGBT*IQ-Netzwerk, um zu sagen: Ihr müsst euch nicht verstecken! Ihr könnte dazu stehen, wer ihr seid!

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Manuela Neuroth

Mit 5 fiel mir das erste Mal auf, dass mit mir „etwas nicht stimmte“: Zugleich mit Freude, Verwirrung und Scham erfüllte es mich nämlich, für ein Mädchen gehalten worden zu sein! Ich konnte darüber mit niemandem sprechen und verbarg diese Erlebnisse – genauso wie z.B. die schöne Empfindung, das Brautkleid meiner Mutter anzuziehen. Neben zunehmenden weiblichen Vorlieben entwickelte sich eine starke Abneigung gegen typisch männliche Verhaltensweisen: Ich weigerte mich standhaft, Anzug und Krawatte zu tragen oder mich vor anderen Jungen in der Umkleide auszuziehen.

Da ich andererseits aber akzeptiert werden wollte, legte ich mir durchaus männliche Hobbies zu und tat alles, um mein sich entwickelndes weibliches Inneres vor anderen Menschen zu verbergen. Mädchen faszinierten mich immer sehr, ich verliebte mich auch häufig in sie und fand mit 19 Jahren meine große Liebe, mit der ich inzwischen über 30 Jahre verheiratet bin und 3 wundervolle Kinder habe. Ein erster Versuch, meiner damals 14 jährigen Freundin von meinen Sehnsüchten zu erzählen, wurde von ihr nicht verstanden und etwas brüsk abgetan.

In mir baute sich somit eine weibliche Parallelwelt auf, die ich mir nicht erklären konnte, bis ich im Fernsehen eine Dokumentation über eine Trans*frau sah, die mich zugleich mit Widerstand, Faszination und Sehnsucht erfüllte. Das war ich, was ich da sah. Gleichzeitig wollte ich dies aber auf keinen Fall, da ich mich vor den Konsequenzen fürchtete. Ich legte mir ein Informationsverbot auf, das ich 24 Jahre durchhielt, bis ich nach Internetrecherchen die vermutete Eigendiagnose „transident“ bestätigt sah.

Zwei Jahre später erfolgte mein Outing in über 180 Gesprächen, und zu meiner Freude erhielt ich über 95% positive Rückmeldungen (besonders im beruflichen Umfeld) – dabei hatte ich mit Ausgrenzung und Spott gerechnet. Danach ging alles ganz schnell, 2019 erfolgte die gerichtliche Änderung von Personenstand und Vorname und seitdem lebe ich glücklich und befreit als Frau.

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Giordana Doppstadt

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