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„Es braucht noch viel Zeit, bis die neue RWE in den Köpfen ankommt“

Rolf Martin Schmitz über die „neue“ RWE, die Wachstumspläne bei den erneuerbaren Energien und den geplanten Ausstieg aus der Braunkohle

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Im folgenden Interview zum Geschäftsjahr 2019 beantwortet Rolf Martin Schmitz die Fragen von Burkhard Pahnke und Jérôme Hördemann aus dem Investor Relations Team.

Herr Schmitz, RWE hat in seiner 122-jährigen Geschichte große Veränderungen erlebt. Auch jetzt wieder. Was zeichnet die „neue“ RWE aus?

Unser Unternehmen hat sich immer auf die Herausforderungen und gesellschaftlichen Erwartungen seiner Zeit eingestellt. Das tun wir auch heute. Eine zentrale Herausforderung der Gegenwart ist der Klimawandel. Und die dringlichste Erwartung der Gesellschaft an uns ist, dass wir etwas dagegen tun. Das haben wir verstanden und uns dementsprechend aufgestellt. Insofern ist die „neue“ RWE ein Unternehmen, das sich treu geblieben ist.

Angenommen, Sie hätten die Dauer einer Aufzugfahrt Zeit, die neue RWE zu beschreiben ...

... da müsste ich nicht lange überlegen. RWE ist durch ein intelligentes Tauschgeschäft mit E.ON zu einem international führenden Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien geworden. Damit haben wir ein Geschäft hinzugewonnen, das sich durch attraktive Renditen, verlässliche Rahmenbedingungen und breite gesellschaftliche Akzeptanz auszeichnet. RWE ist nun wieder ein Wachstumsunternehmen, und das Wort „international“ heißt nicht mehr „europäisch“, sondern „global“. Und wir haben uns ein Ziel gesetzt, das unser Handeln in einen viel größeren als den rein ökonomischen Kontext stellt: Bis spätestens 2040 soll unsere Stromerzeugung klimaneutral sein. Das heißt, dieses Geschäft wird keinen Einfluss mehr auf die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre haben. Sie sehen, die Aufzugfahrt muss gar nicht so lang sein, um die neue RWE vorzustellen.

Bis 2040 klimaneutral zu werden klingt sehr ambitioniert. Selbst die EU will sich dafür zehn Jahre mehr Zeit lassen.

Das ist auch ambitioniert. Klimaneutral wird man nicht mal eben so. Dafür bedarf es gewaltiger Anstrengungen und geeigneter Rahmenbedingungen. Unsere Botschaft lautet: Wir sind bereit für die Anstrengungen, an uns wird es nicht scheitern.

Glaubt man Ihnen das?

Sicherlich gibt es Leute, die misstrauisch sind und denen keine Veränderung schnell genug geht. Die möchte ich darauf verweisen, was wir schon erreicht haben: RWE hat in den vergangenen sieben Jahren seinen CO2-Ausstoß um die Hälfte gesenkt. Welches andere Unternehmen kann das von sich behaupten? Der beschleunigte Kohleausstieg in Deutschland wird dazu beitragen, dass wir bis 2030 nur noch ein Viertel der Emissionen von 2012 haben werden. Und zehn Jahre später wollen wir dann unseren gesamten Strom mit erneuerbaren Energien oder CO2-frei produziertem Wasserstoff erzeugen. Sollten wir dann noch fossile Brennstoffe wie Erdgas nutzen müssen, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, werden wir die Emissionen durch Gegenmaßnahmen neutralisieren, zum Beispiel durch Aufforstung.

Um in Zukunft den Großteil des Stroms aus erneuerbaren Energien produzieren zu können, muss RWE gewaltig investieren. Haben Sie überhaupt das Geld dafür?

Bei der Finanzierung sehe ich keine Schwierigkeiten. Wichtig ist, dass wir genügend attraktive Projekte finden, die unsere Renditeerwartungen erfüllen. Aber auch da bin ich zuversichtlich, zumal wir unseren Aktionsradius über die Grenzen Europas hinaus erweitert haben. Für den Ausbau der erneuerbaren Energien werden wir pro Jahr 1,5 bis 2 Milliarden Euro in die Hand nehmen, und zwar netto, das heißt, oben drauf kommen noch die Mittel, die Projektpartner beisteuern. Bis Ende 2022 wollen wir unsere Windkraftund Solarkapazität von heute neun auf mehr als 13 Gigawatt erhöhen. Ein Großteil der zusätzlichen Kapazitäten ist bereits im Bau, beispielsweise die Windparks Triton Knoll in der britischen Nordsee und Big Raymond in Texas. Und in Australien wollen wir bald Limondale ans Netz nehmen, das leistungsstärkste Solarkraftwerk auf dem Kontinent.

Dass RWE internationaler wird, könnte Erinnerungen an den missglückten Ausflug ins amerikanische Wassergeschäft wecken, auch wenn der schon lange zurückliegt. Was wollen Sie dieses Mal anders machen?

Was damals schief gelaufen ist, kann ich nur vermuten, da ich noch nicht bei RWE war. Mein Eindruck ist, dass RWE zu der Zeit noch ein sehr deutscher Konzern war. Man hat im Ausland Geschäft gekauft und geglaubt, dass das dann einfach so weiterläuft, nur eben unter dem Dach einer anderen Konzernmutter. Das funktioniert aber nicht.

Heißt das, dass Sie das Auslandsgeschäft enger führen wollen?

Wir müssen es so führen, dass jedem klar ist: Das ist unser Geschäft, und dieses Geschäft ist uns wichtig. Ein Windpark in Ohio hat den gleichen Stellenwert für uns wie einer in der Nordsee. Konkret bedeutet das, dass wir vor Ort sind, das Geschäft mit allen seinen Details verstehen und es mitgestalten. Natürlich gelingt das nicht in jeder Region gleich gut. Deshalb ist es auch so wichtig, dass wir uns genau überlegen, wo wir hingehen. Bei den erneuerbaren Energien kommen rein theoretisch fast alle Länder dieser Welt als Standorte infrage. Tatsächlich bieten aber viele dieser Märkte keine geeigneten Rahmenbedingungen oder scheiden aus, weil Wettbewerber von uns dort kulturelle Vorteile haben. Letzteres trifft beispielsweise auf die meisten Staaten Lateinamerikas zu.

Um die erneuerbaren Energien gibt es zurzeit einen regelrechten Hype. An der Börse stehen Unternehmen wie RWE hoch im Kurs. Befürchten Sie, die Hoffnungen der Anleger zu enttäuschen?

Wir werden alles dafür tun, damit das nicht passiert. Zugegeben: Die Förderkonditionen für Windräder und Solaranlagen sind heute längst nicht mehr so gut wie vor zehn Jahren. Und der Wettbewerb bei Ausschreibungen ist härter geworden. Aber der technische Fortschritt war seitdem auch enorm. Dadurch sind die Anlagen heute viel kostengünstiger und effizienter. Die erneuerbaren Energien sind deshalb trotz gesunkener Vergütungen ein attraktives Geschäftsfeld ...

... das allerdings – Sie sprachen es an – durch zunehmenden Wettbewerb gekennzeichnet ist. 

Das stimmt. Bei den Erneuerbaren haben wir keine eigene Rohstoffquelle als Alleinstellungsmerkmal wie noch bei der Braunkohle. Und die Zahl der Wettbewerber, die sich um Projektförderungen bemühen, wird größer. Kostenvorteile und ein gutes Projektmanagement sind in dem Geschäft entscheidende Erfolgskriterien. Außerdem müssen wir uns an die Spitze der technologischen Entwicklung stellen.

Moment – Sie wollen aus RWE einen Technologiekonzern machen?

In begrenztem Maße schon. Mein Appell an unsere Projektentwickler und Ingenieure ist: „Seid immer am Puls der technischen Entwicklung.“ Denn wir sind bei den Erneuerbaren in einer Phase, in der die beste Technologie über den Erfolg entscheidet. Das gilt auch für die Energiespeicherung. Da müssen wir einfach ganz vorne mitspielen. Nehmen Sie das Beispiel der schwimmenden Plattformen für Windturbinen. Damit wäre Offshore-Windkraft auch in tieferen Gewässern möglich, zum Beispiel im Mittelmeerraum oder an den steil abfallenden Küsten in Asien und Amerika. Wir arbeiten an intelligenten, kostengünstigen Varianten solcher Plattformen. Wenn wir dabei erfolgreich sind, können wir uns von Wettbewerbern abheben.

Der neue Leitsatz von RWE lautet: „Our energy for a sustainable life“. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen noch gut 40 Prozent seines Stroms mit Kohle produziert. Wie passt das zusammen?

Zunächst einmal die Fakten: Spätestens 2038 werden wir die Kohleverstromung vollständig beenden. Mit der Bundesregierung haben wir uns auf einen Stilllegungsfahrplan für die Braunkohle verständigt, bei dem die Anfangslasten fast ausschließlich von RWE zu stemmen sind. Der zügige Ausstieg aus einer CO2-intensiven Erzeugungstechnologie bei gleichzeitigem Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein sehr großer Beitrag zu einem nachhaltigen Leben.

Für den frühzeitigen Ausstieg aus der Braunkohle erhält RWE vom Bund 2,6 Milliarden Euro Entschädigung. Die tatsächlichen Belastungen sind aber wesentlich höher. Warum haben Sie das akzeptiert?

Es stimmt, dass wir beim Braunkohleausstieg draufzahlen. Fakt ist auch, dass wir damit an die Grenze des Machbaren gehen. Aber die Tatsache, dass wir in monatelangen Verhandlungen mit der Politik einen Kompromiss gefunden haben, ist auch etwas wert. Der vereinbarte Ausstiegspfad gibt uns einen verlässlichen Rahmen für unsere Planungen und Optimierungsmaßnahmen. Vor allem aber werden die Interessen unserer rund 10.000 Beschäftigten im Rheinischen Revier gewahrt. Sie erhalten Anpassungshilfen vom Bund, sodass sie nicht ins Bergfreie fallen. Wären wir diesen
Kompromiss nicht eingegangen, hätte es eine jahrelange juristische Hängepartie gegeben – mit ungewissem Ausgang. Jetzt können wir nach vorne blicken und uns ganz darauf konzentrieren, den Braunkohleausstieg reibungslos, effizient und sozialverträglich umzusetzen.

Sehen das die Kumpel im Rheinischen Revier auch so?

Sicherlich nicht jeder. Aber ich glaube, dass die Kumpel weniger mit RWE hadern als mit denjenigen, die gegen die Braunkohle zu Felde ziehen und sich dabei teilweise über alle Regeln des Anstands und des Rechts hinwegsetzen. Viele fühlen sich vom Staat im Stich gelassen und einige vielleicht auch von RWE. Diese Gefühle kann ich sehr gut verstehen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Braunkohleverstromung ohnehin bis Mitte des Jahrhunderts ausgelaufen wäre. In nahezu jeder Branche gibt es diesen Wandel, nehmen Sie nur die Autoindustrie. Ich kenne den Versorgersektor seit Jahrzehnten. Mein Credo lautet: Jede Zeit hat ihre Energie und jede Energie ihre Zeit. Vielleicht ist jetzt aber auch der richtige Moment anzuerkennen, was die Kohlekumpel in den vergangenen Jahrzehnten für Deutschland geleistet haben. Sie haben großen Anteil am Wirtschaftswunder und dem damit verbundenen Wohlstand für Millionen von Menschen. Der Respekt gebietet, sich von der alten Form der Energiegewinnung mit Stil und Würde zu verabschieden. Und was RWE angeht, möchte ich anfügen, dass unsere frühen Investitionen in die erneuerbaren Energien mit dem Geld getätigt wurden, das wir mit der Braunkohle und auch mit unseren Kernkraftwerken erwirtschaftet haben.

Kommen wir zum Geschäftsverlauf 2019. Sie konnten den EBITDA-Ausblick im Jahresverlauf zweimal nach oben anpassen und hätten sogar fast noch die letzte Prognose übertroffen.

Wir hatten für 2019 zunächst mit einem bereinigten EBITDA von 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro gerechnet. Geworden sind es dann 2,5 Milliarden Euro. Ausschlaggebend dafür war eine überragende Performance im Energiehandel. Zu den positiven Faktoren, die wir anfangs nicht eingeplant hatten, zählt auch die Wiederaufnahme der Kapazitätsmarktzahlungen in Großbritannien. Außerdem haben wir vom Tauschgeschäft mit E.ON profitiert. Nach der Genehmigung durch die EU-Kommission konnten wir die Transaktion im September bereits zum großen Teil umsetzen. Dadurch hat das Geschäft mit den erneuerbaren Energien, das wir von E.ON bekommen haben, 2019 bereits mit dreieinhalb Monaten zum Konzernergebnis beigetragen.

Sie haben die Tauschvereinbarung mit E.ON vor zwei Jahren unterschrieben. Wann wird der Deal endlich abgeschlossen sein?

Ich hoffe, möglichst schnell. Dabei geht es eigentlich nur noch um Formales: Was noch aussteht, ist die rechtliche Übertragung von innogy-Aktivitäten auf uns, darunter vor allem das Erneuerbare-Energien-Geschäft. Die betroffenen Aktivitäten sind aber schon bilanziell bei uns erfasst. Das heißt, der Konzernabschluss 2020 spiegelt die neue RWE bereits voll wider.

Für das laufende Geschäftsjahr erwarten Sie ein bereinigtes EBITDA von 2,7 bis 3,0 Milliarden Euro. Das wäre noch mehr als 2019. 

Der Anstieg beruht im Wesentlichen darauf, dass wir das Erneuerbare-Energien-Geschäft von E.ON nun mit vollen zwölf Monaten in unserem Ergebnis berücksichtigen. Dass wir in den Ausbau unserer Windkraft- und Solarkapazitäten investieren, wird sich ebenfalls positiv bemerkbar machen. Allerdings müssen wir auch davon ausgehen, dass sich die außergewöhnliche Performance im Energiehandel, von der wir 2019 profitiert haben, so schnell nicht wiederholt.

In der Finanzberichterstattung wird RWE ab 2020 in einer neuen Segmentstruktur dargestellt. Dabei haben Sie auch das neue Kerngeschäft definiert. Kohle und Kernenergie gehören nicht dazu. Warum?

Wir haben uns ganz einfach gefragt, welcher Teil unseres Geschäfts auf die Energiewelt von morgen einzahlt und damit einen festen Platz in unserem Portfolio haben wird. Das ist bei den Erneuerbaren klar der Fall. Auch Gaskraftwerke werden noch auf lange Sicht als Back-up gebraucht, wenn es nicht genug Wind- und Solarstrom gibt, um den Bedarf zu decken. Gleiches gilt natürlich für die Pumpspeicher. Unsere beiden niederländischen Steinkohlekraftwerke Amer 9 und Eemshaven können wir über die Kohleausstiegstermine hinaus betreiben, wenn wir sie ganz auf Biomasse umrüsten. Und unser Handelshaus RWE Supply & Trading ist als kommerzielle Schaltstelle im Konzern unverzichtbar für die Optimierung unseres Erzeugungsportfolios. All die genannten Aktivitäten bilden unser Kerngeschäft. Unsere deutschen Steinkohle-, Braunkohle- und Kernkraftwerke gehören nicht dazu, weil es für sie klare Ausstiegspfade gibt. Neue Kohlekraftwerke werden wir nicht bauen, auch nicht in Ländern, in denen es gesellschaftlich akzeptiert wäre.

Welche Wachstumsperspektiven sehen Sie für das neue Kerngeschäft?

Die Perspektiven für operatives Ergebniswachstum sind gut, vor allem wegen der erneuerbaren Energien. Für die beiden kommenden Jahre erwarten wir einen Anstieg beim bereinigten EBITDA von durchschnittlich acht Prozent. Davon sollen auch unsere Aktionäre profitieren. Für das Geschäftsjahr 2020 peilen wir eine Dividende von 85 Cent je Aktie an. Das wären fünf Cent mehr als die geplante Ausschüttung für 2019. Danach soll die Dividende kontinuierlich weiter steigen, und zwar nach Maßgabe der Ergebnisentwicklung im Kerngeschäft.

Eine abschließende Frage: Ende September 2019 haben Sie der Öffentlichkeit den Markenauftritt der neuen RWE vorgestellt. Spüren Sie schon einen positiven Image-Effekt?

Teilweise ja. Aber es braucht noch viel Zeit, bis die neue RWE in den Köpfen ankommt. Die Kapitalmärkte haben als Erste begriffen, welche Transformation RWE durchläuft. Unser Aktienkurs kannte in den zwei Jahren seit Bekanntwerden des Deals mit E.ON praktisch nur eine Richtung: nach oben. Bei Politikern erlebe ich dagegen oft noch Erstaunen, wenn im Gespräch klar wird, dass wir mit ihnen bei den Erneuerbaren an einem Strang ziehen. Was die Öffentlichkeit betrifft, liegt noch viel Arbeit vor uns. Auf Diskussionsveranstaltungen stelle ich immer wieder fest, dass viele Menschen gar nicht mitbekommen haben, was sich bei uns getan hat. Aber manchmal habe ich auch den Eindruck, dass mich Leute jetzt freundlicher grüßen. Und das ist ja auch schon mal was.